CfP Theorie Erzählungen TM
sinn-haft. nr. 18: Theorie Erzählungen TM. Persönliches Sprechen vom eigenen Denken
Theoretisches Sprechen ist persönliches Sprechen. Du bist kein anonymes Erkenntnissubjekt und ich auch nicht. Angestellten von Truthmaking Inc. wird das Sprechen über ihre situativen Denkanlässe, ephemeren Selbstwahrnehmungen und intimen Erfahrungen im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit jedoch immer noch eher selten gestattet.
Subjektiv, privatistisch und partikularistisch lauten die Vorwürfe, bis zum Arbeitsverbot können sie führen. Nicht nur Mobbing lauert, auf Dauer kommen die ganz normalen, institutionell vorgebahnten akademischen Ausschlussmechanismen zum Tragen. Die Empfindungsgenauigkeit, unser genuines Erfahrungssubstrat und unsere individuell-motivierende Erlebnisweise werden deshalb vorsorglich überformt von Theorie-Architekturen, ängstlich auf Widerspruchsfreiheit hin zugegipst - und das innerhalb einer massenmedialen Tektonik, die Privates, Intimes und Nebensächliches bombastisch inszeniert und bis in die hintersten Ecken grell ausleuchtet.
Sicher, Genieglaube und Betroffenheitsfreudigkeit sorgen dafür, dass die persönliche Inszenierung als wissenschaftliche Inszenierung ihren Marktwert hat. Doch wie ist der Versuch zu denken, persönliches Sprechen mit Präzision zu verbinden? Eben jene, diese, unsere Empfindungsgenauigkeit sprechen zu lassen?
Erzählen wir also von unseren Theorien, von uns selbst, von unseren Selbsttheoretisierungen. Die sinn-haft lädt ein zu einem methodologischen Selbstversuch: Eine Versprachlichung unseres Denkens auszuprobieren, die sowohl thetisch argumentiert als auch die persönlichen Entstehungszusammenhänge des Argumentierens situativ erzählt. Die unsere Erfahrung transzendierendes Denken erzählerisch einbettet in die Immanenz unseres je individuellen Lebenszusammenhangs.
Das wollen wir proben: Persönliches Theoretisieren, im Bewusstsein der außerpersönlichen Situiertheit jeder Erfahrung und jenseits der larmoyanten Selbstinszenierung. Eine erweiterte Form von Quellenkritik. Das Selbst als Quelle der Motivation, wissenschaftlich zu arbeiten. Als Begleiter, Träger, als Störfaktor und Produkt.
Wie wäre es, eine direkte Begriffs- und Theoriearbeit zu ergänzen um die Erzählung der persönlichen Denk- und Forschungssituation? Theorie Erzählungen, die unsere Anlässe des Denkens und Untersuchens miterzählen, selbstkritisch und tastend. Unsere Neigungen und Aversionen, Denkgefühle und Theorieahnungen, Sackgassen und fehlgeleitete Euphorien - unser Involviertsein, unser Unverständnis. Und vielleicht auch dies: unseren Umgang mit der Zensur im Kopf, die uns dazu antreibt, stets auf der Seite der Erfolgreichen zu bleiben.
Die Phänomene bleiben unbeherrschbar, in, um uns. Und dennoch versuchen wir sie und uns sprachlich zu formulieren. Zu formen.
Be brave - be personal!
Damit sinn-haft nr. 18 formbar wird: Bitte übersenden Sie /
übersendet möglichst bald aber spätestens bis 15.4.2004 einen
Themenvorschlag und die geschätzte Länge des Beitrages an:
schulze@udk-berlin.de oder redaktion@sinn-haft.at.
Redaktionsschluss ist der 15. Juni 2004, erscheinen soll die
sinn-haft im Herbst 2004.
Bereits jetzt online! Der Beitrag von Holger Schulze zur Theorie Erzählung als Wegzehrung & Appetizer -> Vom Wissenschaftlichen Sprechen
karin am 20. Februar 2004, 09:55
