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Gen/Technologie, Gender und Biographie
sind identitätsformende Konstruktionen, die einen Rahmen für
Bedeutungen bieten. Gen/Technologie formt Leben im weitesten Sinne
und nimmt zunehmend eine kulturschaffende und kulturprägende
Rolle ein. Biographie wird von gen/technologischen Faktoren
maßgeblich beeinflusst - selbst ohne dies bewusst
wahrzunehmen, entwickeln Individuen neue Handlungsmuster oder sehen
sich mitunter auch mit der Tatsache konfrontiert, völlig
neuartige Entscheidungsfindungsprozesse zu durchlaufen.
Gen/Technologie bewirkt somit Veränderungen in der Gesamtheit
der Lebenswelten und vor allem in den Lebensgeschichten der
BiographieträgerInnen. Gemäß dem vorherrschenden
modernen Technologieverständnis konzentriert sie sich allerdings
auf die Korrektur von etwas zu Verbesserndem: die effiziente
Durchführung geplanter Zukunft wird grundlegende Veränderungen
in Auto/Biographien hervorrufen.
Die Forschung produziert nach wie vor
sogenannte Tatsachen, sie gibt Dingen und neuen Konstruktionen Namen,
die medial große Wirksamkeit aufweisen, es werden Phänomene
benannt, die als Bausteine in den Bedeutungsrahmen von Individuen
einfließen. Erkenntnisse aus der Gen/Technologie schöpfen
allerdings nur eine Möglichkeit der Phänomenwahrnehmung und
-deutung aus, nämlich jene der naturwissenschaftlichen
Wahrnehmung. Nur über die Einbindung von individuellen
Biographien können ausgeblendete soziale, politische und
kulturelle Rahmen und deren Bedeutungszusammenhänge in die
Diskussion miteingebracht werden. Inwieweit beeinflusst
Gen/Technologie biographische Gender-Konstruktionen und ihre
Bedeutungen? Wie werden diese Konstruktionen verwendet und gefestigt,
oder eröffnen sich subversive Interpretationsmöglichkeiten?
Welche Rolle spielen dabei die vielfältigen Bruchstücke
eines fragmentierten Selbst, und wie werden sie von
Biographieträgerinnen in den individuellen Sinnzusammenhang
gebracht? Eine im Mai in Graz stattfinde Tagung hat sich zum Ziel
gesetzt, diesen Fragen gemeinsam mit Künstlerinnen und
Wissenschafterinnen nachzugehen: "Technostories:Videostories"
umfasst eine Reihe von filmischen Technobiographien über
autobiographische Erfahrungen von Frauen im Umgang mit Technik, "Do
it Yourself! Selfmade Woman" der US-amerikanischen Künstlerin
Diane Ludin ist ein AnwenderInnen-freundlicher, rasch durchführbarer
Genanalyse/Selbstanalyse-Labortest. Coco Fusco (US/Mexiko)
thematisiert in ihrer Performance die Macht- und
Bedeutungsverschiebungen symbolischer Sichtbarkeit von Frauen. Die
Visagistinnen Uli Haring, Claudia Ungvari und Karin Trautschnig
bieten die Möglichkeit, den eigenen Körper im Workshop
"Change_Gender" zu modifizieren und die Veränderungen
auf das eigene Selbst und die Umwelt wirken zu lassen. Ein
Vorgeschmack auf jene Utopien, an denen eifrig gebastelt wird.
Gender, Genes & Biography,
Mai 2002, ESC-im labor,
Jakoministrasse 16, 8010 Graz
http://esc.mur.at
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