In der Rede von der Masse ließ sich der alte, aristokratische Reflex gegen das "Volk" mit wissenschaftlichen Mitteln wiederum begründen und naturalisieren. Vor dem Volk rümpften der Adelige und der arrivierte Bürger die Nase. Das Volk stank. Nach seiner Hygienisierung, Disziplinierung und demokratischen Anerkennung blieben die Verachtung, deren Mittel und Phantasmen wandelten sich; - bis zur anthropologisierten Massenverachtung, die jenen Vielen das Vollmenschentum absprach. Dabei hätte man wissen müssen, dass auch der Einzige aus den Vielen kommt; zumindest war so die christliche Lehre.
In unserer Postmoderne gibt es keine "Masse", denn die Bedingungen sozialer Synthesis haben sich generalisiert und enthierarchisiert. Alle sind Masse und keiner. Die Unterscheidung in Pop, Sub und Hoch hat insofern keinen Sinn, als die Logik von Produktion, Marketing und Konsumption gleich gültig funktioniert: Geld vergleicht.
"Masse" ist ein Zustand der Entwertung. Er betrifft Zeichen, Dinge, Bilder, Menschen, wenn sie haufenförmig werden, indifferent, seriell, in der "kritischen" Zuspitzung: hyperreal. Man hört und sieht und liest viel, man vergisst viel, man hat viel und man wirft viel weg. Aus den Augen aus dem Sinn. - Könnte hier eine neue Kulturkritik der Masse beginnen? Und dafür die Menschen draußen lassen.
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