Schlafen, Wecker, aufstehen, duschen, raus auf die Straße, Croissants holen, durch den Park, rein ins Labor M&M (Men Maker, ein internationaler Konzern, der sich auf die Produktion von außergewöhnlichen Menschentypen spezialisiert hatte), erstmal frühstücken, Rechner rauffahren, e-mails checken. "Wichtig" stand da. Hört, hört. Trotzdem: Das Ding war vom Chef, also machte ich es gleich auf.
"macht masse!" - mehr stand nicht drin. Ein Fehler, dachte ich zuerst. Das sollte wohl "Masse und Macht" heißen. Da gibt's, glaube ich, Bücher, die so heißen. Vielleicht ging es ja um eine Kritik an unserem Labor. Bloß: Warum landete die Botschaft dann auf meinem Rechner? Ich hatte doch nichts mit Öffentlichkeitsarbeit und so zu tun. Also musste das Ganze wohl doch so gemeint sein, wie es da stand. Aber wie? Eine Masse bilden, ich meine demonstrationsmäßig, wohl kaum. Und dann, ganz plötzlich, wurde in meinem Hirn die richtige Datei angeklickt: Masse. Der legendäre Auftrag Masse.
Ich druckte die Unterlagen aus. Viel war's nicht. Verdammt wenig sogar: Masse, Vorname Verhandlungssache, 1,85 m, 83 kg, dunkelblonde Haare, muskulös, sanfte Stimme, durchschnittliche Intelligenz. Und aus. Irgendwie konnte ich es nicht fassen. Den Reste sollte ich mir aus den Fingern saugen. Und noch schlimmer: Der Rest sollte völlig belanglos sein? Über Masse musste es doch mehr zu berichten geben. Das war also der Held der Zukunft? Na fein!
Ich überlegte, welche schon "lebenden" Typen zu dem Profil passten. Oliver Bierhoff vielleicht. Ein richtiges Auslaufmodell. Oder Pete. Der hatte mir die letzte Freundin weggeschnappt. Viele andere Typen kamen noch in Frage. Aber wie auch immer: Ich fühlte mich leer. Kaum war Masse mein Fall, entpuppte er sich als Jahrhundertflopp. Ich beschloss also erstmal, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Nichts wie raus hier!
Rechner runterfahren, Fenster zu, Kühlschränke zusperren, Chip rein, Tür auf, ich raus. Der Park. Die Straße. Und schwupps. Weggespült wurde ich. Masse. Würde ich dem jetzt begegnen, ich wüsste nicht, was ich ihm erzählen sollte. So ein Typ ist das. Wahrscheinlich hört er gerne Eric Clapton. Vielleicht auch Madonna, was nicht so schlimm wäre. Welche Partei wählt er? Seine Klamotten? Da ist eigentlich alles möglich. Masse. Mir wurde die Sache immer suspekter.
Mason, der Killer fürs FBI, war für mich kein Problem. Auch Moss, die Hauskatze des Filmstars, hatte ich mit Links über die Bühne gebracht. Aber das hier überstieg meine Kräfte. Ich ging durch diese Straße und entfernte mich immer weiter von M&M. Am nächsten Tag reichte ich die Kündigung ein. Basta.
Schon nach wenigen Tagen war Masse vergessen. Ich hatte wieder Zeit für mich selbst. Keine Überstunden. Keine Wochenendarbeit. Jetzt konnte ich wieder ins Fußballstadion gehen. Ich ließ mich durch Einkaufspassagen treiben. Ich ging auf Partys. Und ich vermisste das Labor nicht. Der ewige Alltagstrott. Aus und vorbei. Und plötzlich war mir klar, wie ich ganz leicht Masse hätte machen können: Einfach so weiter machen wie bisher, ich wäre zum Prototyp Masse geworden, einmal klonen -
und fertig.
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