zum Inhaltsverzeichnis der sinnhaft [nr 9]Stören und Hemmen. Ein Streifzug durch Zedlers UniversallexikonStöhrer siehe Pfuscher und Böhnhasen: Handwerksleute, die nicht auf ordentliche Weise Meister geworden sind und doch das Handwerk heimlich unter der Hand treiben. Sie machen die Arbeit wohlfeiler und fügen dadurch den rechtmäßigen Meistern Schaden zu. Störer heißen sie, weil sie die gemeine Handwerksordnung stören; Pfuscher, weil sie heimlich arbeiten. Böhnhasen aber werden sie in Niederteutscher Sprache genannt, weil sie sich mit ihrer Arbeit am Boden des Hauses, auf dem Böhn, verstecken, dort und in allen Winkeln des Hauses aber wie die Hasen auf dem Felde von den rechten Meistern gejagt werden, auf dass die bei ihnen angetroffene Arbeit weggenommen, konfisziert und zerschlagen oder samt ihrem Werkzeug vernichtet werde.Stöhrefried siehe Rebelle: ein Tumultuant, unruhiger Kopff, Auffwiegler, Meutmacher, Friedbrecher, ein von seinem Ober-Herrn abgefallener oder untreu gewordener; den öffentlichen Land-Frieden und gemeinen Ruhestand störend, richtet er Unfug und Unruhe an, und dies nicht allein, sondern mit anderen, zu gleichmäßigen Beginnen angereizten. Störtzer, auch Land-Störtzer, ein Vagant, Vagabunde, siehe Nirgends zu Hause: Hans überall werden sie genannt, Landstreicher, Errones. Sie störtzen, haben also keine gewisse Wohnstatt, streichen bald hier, bald da herum, heute hier, morgen anderwärts. Was tun, wenn ein solcher vor Gericht vorzuladen ist, was tun, wenn ein Schuldner keine bleibende Stätte hat? Die Rechtsausleger geben Antwort: Die Citation ist in der Stadt, in dem Ort, wo sich der Adressenlose mehrmals sehen hat lassen, öffentlich anzuschlagen und auszuhängen. Störtzer werden zu Halle beim Salzwerk aber auch die genannt, die den Eimer mit der Sole in den Kahn oder Trog umstürzen. Störrig, ein altes deutsches Wort, kommt her von Storre, das, was von einem abgebrochenen Baum unten übrig bleibt. Es steht unempfindlich und todt da, man stößt sich daran im Gehen, wird am Fortkommen gehindert. Daher kommen die Bedeutungen: Es widersetzt sich, weigert sich, ist widerspenstig, lieblos, hart und widerwärtig. Stöhrstange siehe Fisch-Trampe: eine fünf bis sieben Ellen lange Stange, vorne am Ende mit aufgenageltem Leder und Filz versehen, dazu bestimmt, Fische mit Schlagen und Stoßen aus ihren Löchern und Lagern aufzuscheuchen und in die Netze zu treiben. Im fließenden Wasser geschieht dies wider den Strom. Hemme-Fisch, auch Remora, Echeneis: ein Fabelwesen, das ein mit vollen aufgeblasenen Segeln mitten im Meer treibendes Schiff auf ein Mal hemmen kann, wenn es sich nur unten dran hängt. Hemm-Rette: eine notwendige Zugehörung zum Fuhrwerk, bestimmt, den talwärts fahrenden Wagen in seinem allzu schnellen, folglich gefährlichen Lauf aufzuhalten oder zu hemmen. Zedler, Johann Heinrich (Hg.): Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Halle/Leipzig, 1732-1754. 69 Bände.
Hemmung heißt jedes Hindernis der Bewegung, bei Uhrmachern ist sie der technische Ausdruck zur Bezeichnung der Vorrichtung, durch welche der Gang der Uhr seine Gleichförmigkeit erhält. Sie besteht in einem Widerstande, welcher die Bewegung nicht aufhebt, sondern nur auf eine solche Weise hindert, dass sie nicht zu schnell wird. Zu unterscheiden sind die zurückfallende, die ruhende und die freie Hemmung. Ersch, Johann Samuel; Gruber, Johann Gottfried (Hg.): Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, Sektion 2, Teil 5, Leipzig 1829, 388. bearbeitet von Anton Tantner
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