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Katharina Schneider
Eine mafan¹ Geschichte
Als ausländische Arbeitskraft in der VR China braucht man natürlich eine Aufenthaltsgenehmigung in Grün. Diese Genehmigung erteilt die Polizei. Das für die ausländischen Lehrkräfte zuständige Büro meiner Universität schickte meinen Mann und mich zur zuständigen Behörde, um die Formalitäten zu erledigen. Wir bestiegen den Bus und fuhren mehr als eine Stunde zum Hauptgebäude der Ein-/Ausreiseabteilung. Das Gebäude, ein modernes Hochhaus, wirkte relativ hell und einladend, was sich aber als Trugschluss herausstellen sollte. Nachdem wir die erste, nicht allzu lange Schlange hinter uns gebracht hatten, gaben wir unsere Formulare, meinen Expertenausweis, die offizielle Einladung der Universität, jeweils zwei Passfotos und die Pässe ab. Die Dienst habende Polizistin faltete die Bögen, befestigte die Passbilder mit einer Klammer daran, stempelte sie, schob die Pässe in die Bögen, und fragte: "Und ihr Gesundheitszeugnis?" Also doch - wir hatten uns schon gewundert, dass uns die Uni nicht danach gefragt hatte. Wir entgegneten wie aus einem Munde: "Was für ein Gesundheitszeugnis?" Sie verwies uns an den Amtsarzt, der "ganz in der Nähe" seine Klinik hätte. Bis wir diese Klinik gefunden hatten, war wieder eine Stunde vergangen. Da am Nachmittag aber nur Gruppen abgefertigt wurden, war es dem anwesenden Klinikpersonal leider unmöglich, uns zu untersuchen. Wir fuhren unverrichteter Dinge nach Hause, was uns wieder eine Stunde kostete. Warum hatte unser Ausländeramt uns nicht darauf hingewiesen, dass wir eine Untersuchung brauchten?
Zwei Tage später machten wir uns früh genug auf den Weg zur Klinik. Erleichtert stellten wir fest, dass wir innerhalb der Öffnungszeiten angelangt waren und wandten uns an die Sekretärin am Empfangsschalter. Sie fragte: "Studenten oder ‚ausländische Experten' (die gängige Bezeichnung für ausländische Fachkräfte)?" Nachdem sie klargestellt hatte, dass wir für unseren Aufenthalt in China Geld bekamen, reichte sie uns das passende Formular und verlangte 600 Yuan pro Person. Das sind zusammen immerhin 2.400 öS, die wir natürlich nicht bei uns hatten. Glücklicherweise waren wir früh genug dort um bei der nächsten Bank, die nicht allzu weit entfernt war, mit der Kreditkarte Geld abzuheben. Dort angekommen, stellte sich jedoch heraus, dass die Filiale nicht befähigt war, Geschäfte mit Kreditkarten oder Reiseschecks abzuwickeln. Die nächste zuständige Bank war eine halbe Stunde Wegzeit entfernt. Der Hin- und Rückweg würde also länger dauern, als es die Öffnungszeiten der Klinik erlaubten. Es blieb uns also nichts übrig, als wieder zur Klinik zurück zu gehen. Dort steigerte sich meine Wut und Verzweiflung dermaßen, dass ich vom öffentlichen Telefon vor der Klinik aus das Ausländerbüro unserer Uni anrief, um erstens meine Wut loszuwerden und zweitens Hilfe zu erbitten. Wir hatten nämlich nach dem ersten Klinikbesuch von französischen Lektorinnen erfahren, dass die Uni sie bei der ganzen Prozedur bestens betreut hatte, sie mit einem Bus zur Klinik gefahren worden waren, und das Ganze auch noch kostenlos. Die Erklärung des Zuständigen am Telefon klang sehr nach einer Ausrede. Er meinte noch, die hohen Untersuchungsgebühren hätten vielleicht damit zu tun, dass wir Österreicher wären. Ich konnte sein Argument aber widerlegen, da die Sekretärin am Empfang unsere Pässe noch nicht gesehen hatte. Daraufhin beruhigte er mich damit, dass er versuchen werde, bei seinen Vorgesetzten auf eine Rückerstattung unserer Kosten zu drängen, und hängte auf.
Kurz vor der Kapitulation kam mir eine rettende Idee. Wir hinterlegten unsere Pässe als Pfand und durften nun endlich die heiß ersehnte Untersuchung über uns ergehen lassen. Die war ein Kapitel für sich. Uns wurde Blut abgenommen, ein Röntgenbild der Lunge und ein EKG gemacht. Mit einem langen Blick in meine Augen stellte die Ärztin fest, dass ich nicht farbenblind sei, einen geraden Rücken habe, weder unter Epilepsie noch unter Nervenkrankheiten leide und auch sonst keine psychischen oder körperlichen Probleme habe. Den EKG- und Röntgenbefund hatte sie schon vor der Untersuchung ins Formular eingetragen.
Die Rückerstattung vom Auslandsbüro habe ich bis heute nicht bekommen und ich fürchte, ich werde sie auch in Zukunft nicht bekommen- dazu reichen meine Beziehungen noch nicht.
mafan: lästig, umständlich, unbequem
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