Nicht beschreibbar
Interview mit Peter Wiesner, Verkausleiter der Wolfgang Denzel AG für Ferrari in Österreich
Egal welche individuellen Bedürfnisse mit dem Auto befriedigt werden, es ist ein Produkt der Masse geworden, ein sogenannter Konsumartikel. Kaum jemand der in einem industrialisierten Land wohnt und kein Auto besitzt. Inmitten dieser Masse aber gibt es einen Mythos, nämlich das Auto das anders ist als alle anderen, das Auto, das sich eigentlich niemand leisten kann. Und doch, es kennt ihn jeder, den Ferrari. Welcher Mann begänne nicht wie ein Schneekönig zu strahlen, würde man ihm anbieten, eine Runde mit diesem Über-Auto zu fahren. Die meisten geraten bereits beim Gedanken daran in Verzückung. Um dem Mythos Nahrung zu geben, bleibt die Auflage gering, jährlich werden lediglich 4000 neue Autos produziert, in edelster Ausführung versteht sich und zu ebenso edlen Preisen. Einen Ferrari zu besitzen wäre für viele Männer, sehr viele Männer sogar der Inbegriff des absoluten Glücks. Warum das so ist, und warum das besonders für Männer so ist, lässt sich, zumindest oberflächlich logisch nicht erklären, deshalb ist es ja auch ein Mythos. Um diesem Mythos auf die Spur zu kommen, haben wir uns an jemanden gewendet, der sich bereits seit seiner Jugend diesem Mythos verschrieben hat und daher - wie wir meinen - am besten Bescheid wissen muss.
S-H: Herr Wiesner, Sie sind Verkaufsleiter der Wolfgang Denzel AG für Ferrari in Österreich, fahren Sie selbst einen Ferrari?
W: Seit meinem 24. Lebensjahr.
S-H: Was ist das Faszinierende daran?
W: Die Geschichte des Autos, der Mythos, die Farbe, Form, Fahrgefühl. Einen Ferrari zu fahren ist eine Lebensform besonderer Art. Selbst nach den vielen Jahren, in denen ich nun schon damit fahre, ist es jedesmal wieder ein Erlebnis.
S-H: Sieht man die neuen Ferraris, stellt man fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten zumindest in der Form einiges verändert hat. Worauf wird bei Veränderungen besonders geachtet?
W: Heute spricht nicht nur der Designer mit, in sehr starkem Maße ist der Windkanal entscheidend. Das ist schade, trotzdem versucht man, wo es geht, Stilelemente aus der Vergangenheit miteinzubauen. Retrodesign verbunden mit den modernsten Stilelementen - das ist eine Herausforderung der besonderen Art.
S-H: Gehen wir also zurück zu den Anfängen von Ferrari und seinem Gründer: Enzo Ferrari.
W: Enzo Ferrari habe ich einmal im "Ristorante Cavallino" gesehen. Es war als schreite ein Mythos an mir vorbei. Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Er war dafür bekannt, immer schlecht gelaunt zu sein. Es waren ihm auch nie die Fahrer wichtig, sondern immer nur SEIN Auto. Es hat ihn geärgert zu lesen, dieser oder jener Fahrer habe ein Rennen gewonnen, ihm ging es nur darum, dass Ferrari gewinnt - der Pilot war zweitrangig. Wie ist das heute? Heute ist das ganz anders. Der Sieg ist eine Kombination von Mensch und Maschine. Trotzdem steht der Mensch immer im Vordergrund. Der Mensch ist das wichtigste.
S-H: Ist es wahr, dass Geld allein nicht reicht, einen Ferrari erwerben zu können?
W: Nein, das stimmt nicht, jeder der es sich leisten kann, kann einen Ferrari kaufen, ohne nach Beruf, Lebensstil o.ä. gefragt zu werden. Unser Umgang mit dem Kunden ist sehr diskret. Auch kommen die Käufer aus allen Lebensbereichen. Es gibt Kunden, die ein Leben lang dafür sparen. Einen Ferrari kauft man, weil er einem gefällt.
S-H: Wieviel kostet ein neuer Ferrari?
W: Der günstigste kostet knapp unter 2 Mio, der teuerste 3,3. Bei den klassischen liegen die Preise bedeutend höher. Die teuersten kosten bis zu 60-80 Mio. Mehr als anderswo werden hier die Preise von Angebot und Nachfrage bestimmt und können starken Schwankungen unterliegen. Genau wie in der Kunst waren auch bei den klassischen Ferraris die Preise Ende der 80ziger Jahre am höchsten, zugleich war das auch eine Reaktion auf den Tod des Gründers Enzo Ferrari. In den 90igern ist der Wert gefallen und jetzt beginnen die Preise einzelner, seltener Modelle (spezielle Rennwagen mit Geschichte) wieder anzusteigen.
S-H: Wieviele Ferraris gibt es in Österreich?
W: Gemeldete Fahrzeuge gibt es 600. Viele, v.a. Sammler lassen ihre Autos in der Garage stehen. Die Dunkelziffer ist nicht unbedeutend.
S-H: Gibt es viele Sammler?
W: Ja sehr viele. Beruflich kümmere ich mich sehr stark darum, weil ich selbst einmal gesammelt habe und die Leidenschaft des Sammelns mit ihnen teile. Wie in anderen Sparten wird natürlich auch hier nach bestimmten Kriterien und Segmenten gesammelt.
S-H: Ist diese Art des Sammelns (nach bestimmten Segmenten), letztlich nicht auch Spekulation?
W: Als Geldanlage ist es sicher ein Thema, wer aber damit spekuliert riskiert viel. Beispielsweise ist ein Auto, das 1989 um 210 Mio ÖS nach Japan verkauft wurde heute nur noch 50 Mio wert. Umgekehrt ist ein Auto, das 1995 um 5 Mio verkauft wurde heute 25 Mio wert.
S-H: Was machen sie, wenn sie merken, ein Käufer mit dem Kauf eines Ferraris spekuliert?
W: Ich weise ihn darauf hin, dieses Auto niemals als Spekulation zu betrachten.
S-H: Dem Autohandel eilt ja oft der Ruf von Unseriosität voraus, wie ist das bei Ferrari?
W: Bei einem relativ eingeschränkten Kundenkreis, wie ihn Ferrari hat, sind Seriosität, Ehrlichkeit und Kompetenz mit die wichtigsten Erfolgsgarantien. Seit über 30 Jahren bin ich nun im Automobilgeschäft und war noch nie zu einem Kunden unaufrichtig. Natürlich versuche ich ein Geschäft zu machen, gleichzeitig möchte ich aber auch ein Partner sein, zu dem der Kunde kommt, um sich beraten zu lassen, ohne das Gefühl zu haben, übervorteilt zu werden.
S-H: Wo hat Ferrari seinen größten Markt?
W: In den USA.
S-H: Ist das nicht überraschend? Amerika ist ein Land, wo die Geschwindigkeitsbeschränkung von 90m/h streng eingehalten werden muss.
W: Man trifft sich dort viel öfter auf Rennstrecken, wo man sich richtig austoben kann, um dann wieder gesittet nach Hause zu fahren. Einen Ferrari zu fahren bedeutet auch Verantwortung zu haben - man kann nicht wie ein Geisteskranker herumfahren, sondern muß sich in den normalen Straßenverkehr einordnen.
S-H: Wie sieht es mit den anderen Märkten aus?
W: Japan ist neben USA und Europa ein sehr großer Abnehmer. Osteuropa wird in Zukunft sehr interessant werden, noch sind aber die Straßen zu schlecht.
S-H: Die Produktion von Renn- und Strassenautos ist getrennt. Werden die Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Formel 1 auch für die Straßenautos verwendet?
W: Wo immer es möglich ist, fließen die Neuerungen in den Serienbau mit ein, dies ist z.B. der Fall bei Bremsbelägen, Stoßdämpfer, Ölen oder Motorteilen.
S-H: Aus welchem Material ist die Karosserie und wie sicher ist ein Ferrari überhaupt?
W: Die Karosserie besteht wie bei anderen Autos auch aus Stahlblech oder Aluminium und auch sonst entspricht es den modernsten Sicherheitsstandards - es ist also kein gefährliches Auto.
S-H: Trotzdem besitzt es einen viel stärkeren Motor.
W: Ja, aber das ist auch jedem Ferrarifahrer bewusst, vielleicht mehr als so manch anderem Autofahrer.
S-H: Wie hoch ist der Benzinverbrauch?
W: Ein neues Auto verbraucht, je nach Modell und schnell gefahren 12-15 Liter auf 100 km.
S-H: Bekommen Ferrarikäufer eine spezielle Fahreinschulung?
W: Jeder der einen Führerschein besitzt, kann damit fahren. Einen Ferrari, wie sie heute gebaut werden, ist genauso schwierig oder leicht zu fahren wie andere Autos, man muss nur weniger aufs Gas steigen, das ist alles. In den 60iger Jahren gab es noch Modelle bei denen man sagte, der linke Fuß müsse besonders gut trainiert sein, um sie fahren zu können, aber jetzt ist das längst überholt.
S-H: Wer sind die Zielgruppen?
W: Hauptsächlich sind es Männer. Ansonsten kann man es nicht genau sagen. Man kann aber feststellen, dass mit Ferrari eine gewisse Lebensform einhergeht. Diese Autos haben sehr viel mit Kultur zu tun. Es fällt z.b. auf, dass Ferrarifahrer immer sehr gut gekleidet sind und Kleidung hat meiner Meinung nach sehr viel mit Kultur zu tun.
S-H: Inwieweit ist ein Ferrari etwas Sinn-liches?
W: Viele finden dieses Auto sogar erotisch. Ein Ferrari hat neben der besonderen Form auch einen ganz besonderen Sound, im Inneren riecht es nach Leder. (Hr. Wiesner kommt ins schwärmen) Mit so einem Auto zu fahren ist nicht beschreibbar. Am ehesten ist es wohl vergleichbar mit einem Maßanzug, der ganz persönlich auf den Träger zugeschnitten ist. Bei einem Ferrari ist es ähnlich: man wählt die Farbe, das Leder, das Lenkrad.
S-H: Würden sie soweit gehen, Ferraris als Kunstobjekte zu bezeichnen?
W: Ja. Diese neuen Autos hier sind Kunstobjekte der Zukunft und als technische Kunstwerke zu schützen.
S-H: Ist es ein Ziel von Ferrari, irgendwann einmal, z.b. im Guggenheim Museum ausgestellt zu werden?
W: Ziel ist es keines, aber man würde es bestimmt nicht ablehnen.
S-H: Sie machen nicht den Eindruck, als würden sie sich um die Zukunft von Ferrari sorgen.
W: Nein, aber das heißt nicht, dass man sich zurücklehnen darf. Man muss sich um den Kunden kümmern. Autokauf hat immer mit Emotionen zu tun und sollte ein Erlebnis sein.
S-H: Wie sieht diese Betreuung im konkreten Fall aus?
W: Es gibt gemeinsame Veranstaltungen, wo der Importeur alle Ferrarifahrer einlädt. Z.b. am A1 Ring ihre Autos zu testen, auszuprobieren, wie sie im Grenzbereich reagieren.
S-H: Einmal Ferrari, immer Ferrari?
W: Ja. Trotzdem muß man Prioritäten setzen. Im Leben gibt es wichtigere Dinge, als einen Ferrari zu besitzen.
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