sinn-haft [nr 7]
dinner for cyborgs

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An einen jungen Franzosen


Ich habe dich beobachtet. Ich weiß nicht, wer du bist, aber das spielt auch keine Rolle. Schließlich ist unsere einmalige Begegnung schon viele Jahre alt: Du bist mir im Schulspeisesaal gegenübergesessen und du hast Pommes Frites gegessen; du hast sie so gegessen, dass ich es nie vergessen werde.

Du hast in mir die Erinnerung an eine Welt geweckt, die ich vergessen hatte. Essen, das bedeutete für mich Schmerz. Schmerz, weil ich Hunger hatte. Schmerzen, weil ich mich bis zur Bewegungsunfähigkeit mit Lebensmitteln voll stopfte. Schmerzen, weil ich weiterstopfte. Jeder Kontakt mit Lebensmitteln riss mich aus der Lethargie des schlechten Gewissens und der Magenschmerzen. Und führte sie unweigerlich wieder herbei. Dazwischen fand mein Leben statt, in höchster und ausschließender Konzentration auf alles Essbare. Essen, das war der Kampfpartner meines alltäglichen Kriegs.

Du dagegen, du bist einfach dagesessen und hast ab und an ein Pommes in deinen Mund geschoben; mag sein, du hattest eigentlich besseres zu tun, du hast ein wenig verträumt gewirkt. Was du getan hast, kann man durchaus als "essen" bezeichnen. Was ich getan habe, wahrscheinlich auch. Mir warst du fremd wie noch nie ein Mensch. Du hast nicht gekämpft, du hast Pommes Frites gegessen.


UP!
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