|
Thomas Jöchler
WORLD WIDE PIZZA
1) Die Attacken auf große Websites in den USA (Yahoo, ebay ...) werden mit einer Pizzamassenbestellung verglichen, bei der ein böser Unbekannter einem ihm Missliebigen Dutzende Pizzas bestellt, die alle zur gleichen Zeit geliefert werden.
2) Ein böser Bekannter bestellt in einem Lokal eine Pizza zur gleichen Zeit, in der eine große Demonstration gegen eine Regierung mit seiner Partei stattfindet, und kann nur unter massivstem Polizeieinsatz den Weg ins private Heim antreten.
Parallelisierungen können zu schnellen oder vorschnellen Schlüssen verleiten, aus flinken Entsprechungen können zudeckende Gemeinsamkeiten geschlossen werden. Trotz dieser Falle sind die beiden Pizzaverzehrungen ausschlachtbar. Die eine vergleicht eine vielbeachtete Aktion im Boombereich des globalen Kapitalismus (von Clinton flugs zur Chefsache erhoben) mit einer instrumentalisierten kapitalistischen Dienstleistung. Den größten der großen Internetseiten werden so viele Datenpizzas zugestellt, dass sie ihre Portale für einige Stunden schließen müssen, so, wie man die Tür zudrückt vor den Pizzalieferanten und nach drei Stunden wieder nachschaut, ob sie sich schon verzogen haben im Erkennen, dass sie ebenso gelegt wurden wie der Adressat der fingierten Bestellung. Nun ist unklar, wie sich die Datenpakete verhalten haben, sie wurden jedenfalls hightechgemäß entsorgt von einer neuen Boombranche, der internet-security. Nicht dass jemand auf die Idee kommen könnte, dass diversen Firmen, Staaten, Institutionen an derartiger Legitimierung sicherheitspolitischer Aktion im "freien" Netz gelegen sein könnte. Nicht doch. Die Bosheit kann nur aus der Freiheit selber kommen. Hacker heißt das Feindbild, das FBI ermittelt und findet: den juvenilen "Mafiaboy".
Im durch mediale Beäugung zur temporären Weltstadt mutierten Wien spielt sich eine reale Pizzaverzehrung ab. Haider diniert familiengerecht beim Italiener, beinah in Blickweite zur Demonstration gegen seine Partei und die von ihm (staats-) mitgetragene Regierung. Er möchte sich eventuell selbst vergewissern, wie viele Leute "er" auf die Strasse bringt. Das Böse ist aber immer und überall und stellt sich dem Volkstribunen vor das Pizzeriafenster. Der weiß nun um seine Wirksamkeit ein weiteres Mal und begibt sich mittels Staatsschutz in die traute Heimlichkeit. Die Legitimierung staatlichen Gewalteinsatzes ist keine Frage mehr, "schlagende Beweise der Polizeiarbeit" werden gegeben, Feindbild: ausländischer Autonomer. Wer ist das Böse, wo ist das Böse, wer hat den ersten Stein geworfen, wer hat die Pizza bestellt?
|