sinn-haft [nr 7]
dinner for cyborgs


erschienen im Juli 2000

Inhaltsverzeichnis

Mahlzeit
Editorial
  Mahlzeit Dierk Spreen
Rhizom-Körper
Mahlzeit Florian Nelle
Inszenierter Geschmack
  Mahlzeit Else Rieger
Gestörtes Essen
Mahlzeit Claudia Birnstingl
Geschichte auf verschlungenen Wegen
  Mahlzeit Marcus Hammerschmitt
Radiohead Teil II
Mahlzeit Christina Lammer
Mit Hirn verdauen
  Mahlzeit Florian Oberhuber
Österrreichische Identität
Mahlzeit Larissa Schindler und Agnieszka Dzierzbicka
Telecuisine
  Mahlzeit Esa Öhler
Aphrodisiaka - (k)eine Wissenschaft
Mahlzeit Johanna Ortler
Ninety-Sixty-Ninety
  Mahlzeit Anton Staudinger
Zur Suppe, zur Suppe...!
Mahlzeit Florian Fusseis
Reduced to the Maximum
  Mahlzeit Else Rieger
An einen jungen Franzosen
Mahlzeit Karin Harrasser
Drei Randtexte
  Mahlzeit Martina Kaller-Dietrich
Ernährungsfibeln
Mahlzeit Thomas Jöchler
World Wide Pizza
  Mahlzeit Christine Jarma
sweets for my sweet sugar for my honey
Mahlzeit Roberta Rastl
Kochen Männer Frauen ?
  Mahlzeit Karin Harrasser
Bosnienteller
Mahlzeit Martin Zündel
Para Ilevar - "to take away" auf mexikanisch
 

Diese Texte fehlen noch:

Von den Einverleibungen des Körpers & des Geistes
- Meike Lauggas und Gerhild Ganglbauer

Cum grano salis - Margaret Weiner

Editorial:

Essen offenbart Befindlichkeiten. Private und gesellschaftliche. Soviel ist klar geworden. Im Umgang mit Nahrung zeigen sich grobe Verschiebungen in den symbolischen und sozialen Ordnungen: Analog zum Übergang von der Disziplinarmacht zur Kontrollmacht, wie sie Gilles Deleuze und Michel Foucault beschrieben haben, lässt sich dieser Wechsel auch in der vermeintlich profanen Nahrungsaufnahme entdecken. Die Zeit der institutionellen Züchtigung ist der des Freien UnternehmerInnentums gewichen: keine Pflichtschule -lebenslängliche Weiterbildung, keine Fabrik - Dienstleistung, kein familiärer Sonntagstisch - fast food bei gleichzeitiger Mannequinisierung des Körpers. Seine Privatisierung und gleichzeitige mediale Veröffentlichung führen zu empfindlichen Umstrukturierungen. Der Körper wird nunmehr in Eigenverantwortung auf den verschiedenen Märkten feil geboten; allen voran auf dem Arbeitsmarkt und dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Das Wissen um die Bestandteile der Lebensmittel lässt im selfmade model den Wunsch vom individuell zusammenstellbaren, medikamentösen Mahl wahr werden. Unsichtbare Teile können nach Belieben hinzugefügt und entfernt werden. Ohne Fett, mit Kalzium, biologisch, gesund. Die Zeit der Unmündigkeit ist endgültig vorbei. Nun wird in den Mund gesteckt was in den selbst entworfenen Fitnessplan passt. Das Essen führt zur bewussten Selbsttherapierung, der Körper weist als der Patient des Geistes unweigerlich Mängel auf. Wenn nicht, wird präventiv hygienisiert und vitaminisiert.

Es geht also wiederum ums Ganze und gleichzeitig um die Wurst: Um des Gegenstands habhaft zu werden, wurden verschiedene Methoden der Annäherung (Pirsch) versucht.
Der erste Artikelblock experimentiert mir größeren (historischen) Entwürfen und spannt damit Bögen von traditionellen über modernen zu nachmodernen Konzepten von Körpern und Essen. In einem zweiten Schritt werden unterschiedliche Arten des Sprechens über Ernährung (Philosophie, [Populär]Wissenschaft, TV und Radio) auf die ihnen inhärenten Ordnungsmerkmale untersucht. Die Untersuchungen des dritten Teils suchen die Cyborg im Sinne einer Daseinsweise, die nicht mehr dem Mythos des Ursprünglichen nachhängt sondern ihre Anschlüsse überall reinsteckt. Sie finden sie in Ernährungstechniken (Diäten), Essstörungen und in geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Arten der Küchennutzung. In einem vorletzten Teil wird Nahrung als Ausgangspunkt genommen für Überlegungen zur Konstruktion von Kultur und Nation. Zu guter letzt finden sich die Grundnahrungsmittel Salz und Zucker unter der historischen Lupe wieder und schlagen dabei trotz ihrer/gerade wegen ihrer offensichtlichen Materialität als fragmentarische GeBilde zu Heft.

(Bemerkung: Das Editorial bezieht sich auf die Anordnung der Texte in der gedruckten Sinn-haft; die werten UserInnen werden ersucht, sich im Hypertextkörper selbsttätig auf erwähnte Spuren zu heften.)
<head>prost!</head>

<body>mahlzeit!</body>
UP!
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