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archiv: nr 13 - luxus

polemos

von POLEMOS

Es gibt Dinge, vor denen auch Polemos zurückschreckt. Das Moralisieren, wenn man selbst zu den Privilegierten zählt, gehört dazu. Weil es häßlich ist.
Und dennoch: Wer vom Luxus redet, kann vom planetarischen Zusammenhang nicht schweigen. Westlicher Lebensstil ist nicht universalisierbar. Man muß nicht erst den Kategorischen Imperativ bemühen, um das für häßlich zu halten. Zugleich, und das ist die größere Häßlichkeit, agiert "der Westen" im Namen dieser Universalisierung, die unmöglich ist. Gerade Europa sieht sich darin als die moralisch besseren USA.

Man möchte dem Universalismus, der vorgibt, die Welt gleichermaßen auf das westliche Niveau "entwickeln" zu wollen, entgegen setzen, daß er unbefragt jenen Westen absolut setze. Man hat Recht; und dennoch ist das Argument häßlich, blickt man auf das Ausmaß des Wohlstandsgefälles zwischen Nord und Süd. Von kultureller Identität allein wird niemand satt.

Unser Reichtum ist häßlich, und darum verbirgt und ironisiert er sich. Es gibt keinen Luxus mehr. Das Wort gehört – Kampfansage an den Adel – zum bürgerlichen Asketismus voriger Jahrhunderte, der die "europäischen Werte" geprägt hatte. Nach dem 11. September hieß es, wir müßten uns der Größe dieser Werte wieder besinnen. Bloße Nostalgie: Die eigentliche Essenz westlicher Demokratien, das sind nicht die Werte von Aufklärung, Christentum und Liberalismus. Es ist die Kommunion im Massenkonsum. Im Anti-Luxus des Massenkonsums erleben wir uns als Gleiche, er befriedet unsere Gesellschaften. Es sind diese Werte des Konsums, die wir exportieren. Sie taugen tatsächlich zur globalen Verbreitung; zur Universalität taugen sie nicht.
So oder so, am Ende bleibt die Häßlichkeit.


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