Luxus Körper - untechnische Bemerkungen über die Technisierung des menschlichen Weltverhältnisses
von Else Rieger
Am Ursprung des Themas "Luxus" als Bedenkensobjekt einer sinn-haft stand die Idee, über den Wertbegriff Ethik und Ökonomie zu verbinden; daraus entsprang der Wunsch, Ästhetik und Ökonomie zu verbinden - und von da war's nicht mehr weit zu Haute-Couture und Juwelierauslagen. So kam die sinn-haft auf den Luxus.
In den Diskussionen zum Komplex "Luxus" ergab sich ein Bild luxuriöser Meinungsvielfalt: Von der vehement vorgetragenen Vermutung, Luxus in Dubai auf der Straße zu treffen, über Äußerungen wie jene, Luxus sei prinzipiell das, was mensch nicht besitzen, weil sich nicht leisten könne, wahrer Luxus sei die Billig-Miete im Sanierungsobjekt, Luxus sei, alles selbst zu machen, Luxus sei, nichts selbst zu machen und Luxus ziele immer auf eine Überhöhung des menschlichen Körpers - bis hin zur Feststellung, dass es Luxus sowieso nicht gibt.
So weit, so schön. Kommen eineR irgendwie bekannt vor, diese Phänomene der Annäherung an sozial-politisch-kulturelle Fragestellungen im Zeitalter ihrer intellektuellen Dekonstruierbarkeit. Dazu passend kam aus der Redaktion die Bitte, nicht schon wieder einen (Unter-)Titel mit Simulationscharakter zu wählen (der verpönte Vorschlag lautete "Schöne Scheine") - bitte, gerne, irgendwann kann eineR der schöne Schein der Simulakren ja wirklich auf den Geist gehen, also lassen wir das - vorerst.
Ach ja, Wortspiele. Da hat's mich doch gerissen, als ich das Wort "Luxuskörper" unbedacht laut vor mich hin sagte: Luxus Körper, Luxuskörper, Luxus? Körper? Was ist das denn? Mein Körper wird zum Luxus, wenn ich keinen Luxuskörper aus ihm mache? Das ist schön, das muss ich gleich mit "Luxus Weib" auch ausprobieren. Jaaaa, geht auch. Folgen tut dann beim Weiterdrehen der Wortspiralen: Luxus ist vor allem eines, nämlich Luxus, denn, das ist ganz klar, sobald mein Body zur Luxusversion seiner selbst wird, ist er Luxus.
Nun, dass Luxus sich selbstreferentiell definiert und dabei nur auf sich verweist, hatte ich mir ja schon vorher gedacht - aber verharren wir kurz beim Luxuskörper: Auch so ein Luxus, für den es hart zu arbeiten gilt! Nicht uninteressant, wie sich hierzulande die Kodierung von Körperlichem als Investitionsobjekt etabliert hat. Klamotten zur Körperverschönerung sind heute billiger zu bekommen als vor 20 Jahren, in ungeahnten Mengen und Varianten. Geld wird statt dessen für die Laufschuhe ausgegeben (die Autorin nimmt sich da nicht aus), für Fitneß und Solarium - Biokost inklusive. Schließlich geht's um den beliebtesten Investitionsort der Gegenwart, um den wohlgeformten, -trainierten, -ernährten, -designten, -gepflegten Luxusgegenstand Körper. Wozu jemand, der/die nicht gerade im Tiefbau beschäftigt ist, heute einen Körper braucht? Für gar nichts. Bahn frei für die reine Repräsentanz, für die neueste Runde in Sachen Geist/Körper! Design ist alles, ein Luxuskörper ist eines sicher nicht: Körper im Sinne einer gegebenen, handgreiflichen, eigensinnigen Körperlichkeit. Angesichts flächendeckender Luxusbody-Populationen wird solcher Körper zum Luxus.
Aber halt, nicht alle sind auf dem luftgefederten Weg zum perfekten Bodystyling: Wie bei jedem Luxus stellt sich auch hier die Frage, ob nicht die Abwesenheit von Luxus der wahre, der eigentliche Luxus ist. Der Körper der fitnessverweigernden Mitmenschen, die vielleicht auch noch Nikotin und Alkohol konsumieren und den lieben langen Tag (oder gar die Nacht!) vor einem Bildschirm sitzen, jene, die sich sozusagen den Luxus leisten sich einen Nicht-Luxus-Körper zu leisten. Die es als Luxus empfänden, in ihren Body zu investieren, wo es doch Computer gibt.
OK, halten wir fest: Luxus fängt in den Köpfen an. Luxus hat mit Ästhetik die Bindung an den Wertbegriff gemeinsam, sonstige Gemeinsamkeiten bleiben vorerst fraglich. Insofern scheint es empfehlenswert, wenn er in den Köpfen bliebe. Ich persönlich sehe meinen Körper lieber als Luxus denn als Luxuskörper. Ich fürchte nur, da bin ich nicht ganz up to date.
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